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Krankheits- und Lebenssymptome

Der Mensch hat eine Krankheit, er ist nicht seine Krankheit.

(Nach Viktor E. Frankl)

Krankheitssymptome

Verlust von Fähigkeiten:

Intellektuelle Fähigkeiten lassen kontinuierlich, aber nicht geradlinig nach. Konkret heißt dies, dass der demente Mensch erst zeitweilig, dann immer weniger in der Lage ist, sich in Zeit und Raum zu orientieren. Er weiß nicht mehr das Datum, erkennt nicht mehr den Ort, an dem er ist. Der Tag- und Nachtrhythmus ist gestört. Informationen des Langzeitgedächtnisses können in der Regel längere Zeit mitgeteilt werden als solche des Kurzzeitgedächtnisses. Sprachverluste bis zum absoluten Verstummen können im späteren Stadium der Krankheit auftreten. Verlaufen, weglaufen, meist mit dem Ziel, einen Ort der Vergangenheit zu erreichen, und zudem begründet in großem Bewegungsdrang sind ebenfalls typische Erscheinungen. Die nachlassenden intellektuellen Fähigkeiten erschweren eine eigene Tagesgestaltung, den Umgang mit Gegenständen, deren Sinn und Funktion und auch Gefährdung durch sie nicht mehr erkannt werden. Die Beschaffung und Zubereitung von Nahrungsmitteln wird zum Problem. Der Tages- und Jahreszeit unangemessene Kleidung wird angezogen, soweit An- und Ausziehen überhaupt gelingen. Selbstverständlich wird auch körperliche Hygiene zu einer Aufgabe, die nicht mehr bewältigt werden kann. In einem späteren Stadium können Inkontinenzprobleme auftauchen. Nahrungsaufnahme kann der Kranke nicht mehr selbst leisten. Im Endstadium der Krankheit kann der demente Mensch bettlägerig werden. Die Krankheitsdauer beträgt 2 - 20 Jahre.

Der Verlust von bisher gewohnten Fähigkeiten wird vom dementen Menschen selbst unterschiedlich wahrgenommen: Leiden an diesem Verlust, sich von anderen zurückziehen, um sich nicht bloßzustellen. Häufig werden die eigenen Defizite anderen zur Last gelegt, (z. B. Dinge, die verlegt wurden, sind in der Vorstellung des Kranken von anderen gestohlen worden.), überspielt oder nicht wahrgenommen.

Gefühlsschwankungen, Abwehr, Aggression, die aber bei näherem Hinsehen und Einfühlen einen rationalen Grund haben (können, je nach Wahrnehmungsfähigkeit der Umgebung).


Abschwächung der Krankheitssymptome oder Verzögerung des Fortschreitens der Krankheit durch:

Die Gabe von Medikamenten ist umstritten.

Mit Sicherheit hilfreich sind dagegen folgende Faktoren:

Leben in vertrauter Umgebung mit wenigen vertrauten Menschen in einer Atmosphäre des zuverlässigen, bedingungslosen Angenommenseins. Aktivierung durch angeleitetes Ausführen vertrauter Tätigkeiten, die als sinnvoll wahrgenommen wurden und werden. Bewegung so viel und so lange es möglich ist. (Wissenschaftlich nachgewiesen ist bereits, dass diese Art des Umgangs mit dem Kranken die Zeit seiner Bettlägerigkeit auf ein Minimum verkürzt.)

Eine Begleitung von 24 Stunden am Tag kann erforderlich sein, um die Krankheitssymptome zu verlangsamen, den Kranken emotional zu stabilisieren, ihm lebensnotwendige Handlungen zu ermöglichen, aber auch, um ihn vor Selbst- und Fremdgefährdung zu schützen.
 
 

Lebenssymptome

Zugewinn von neuen oder Rückgewinn von (teils) verschütteten Fähigkeiten:

Der demente Mensch verfügt über eine erhöhte Sensibilität in der Wahrnehmung seiner Umgebung, selbst wenn Sprachverlust vorliegt. Er besitzt somit eine vertiefte Fähigkeit zu leiden, aber auch sich zu freuen.

Sehr deutlich sichtbar wird sein Wunsch nach wahrhaftigem, nicht vorgespieltem (dies wird erspürt) Angenommensein, das sich verbal, taktil, in jeder Geste, schließlich gesamtheitlich äußert.

Stärker tritt hervor, was in dem Leben dieses Menschen von tieferer Bedeutung war und weiterhin ist - sein Leben konzentriert sich auf Wesentliches.

Ihm steht ein Gedächtnis zur Verfügung, das sich verbal nicht einbringen kann (so entsteht der Eindruck, dass der demente Mensch blitzschnell vergisst, weil er nicht wiedergeben kann, was soeben geschah), aber er besitzt ein "Gefühlsgedächtnis", das seine Gestimmtheit, sein Selbstwertgefühl, seine Aktionen bestimmt, teilweise auch in verzögerter Reaktion.

Dem dementen Menschen gelingt es, Lebensfragen und -probleme auf der Gefühlsebene abzuschließen, die auf rationaler Ebene vielleicht nicht hätten abgeschlossen werden können.

Offenheit (so weit dies geäußert, bzw wahrgenommen werden kann).

Kreativität, Fantasie, symbolisches Denken (z. B. fabulieren, d. h. Ereignisse neu und anders darstellen, mit hohem Symbolwert, letztlich dichterisches Tun, Entwicklung einer eigenen Sprache, auch mit Kürzeln und nonverbalen Elementen).

Spontaneität...

Freude...

Zärtlichkeit...

Dankbarkeit ...

wenn mit den Kranken menschlich, achtungsvoll, einfühlsam umgegangen wird.